Über die Privatinsolvenz

Privatinsolvenz

Die Privat- oder auch Verbraucherinsolvenz steht natürlichen und wirtschaftlich nicht selbstständigen Personen seit dem 1. Januar 1999 als Möglichkeit offen, sich bei Überschuldung langfristig von bestehenden Verbindlichkeiten zu befreien. Als rechtliche Grundlage für die Privatinsolvenz in Deutschland dient die Insolvenzordnung (InsO) im Rahmen des Insolvenzrechts.

Der Gesetzgeber sah in den 1990er-Jahren die Notwendigkeit, das bisher für Unternehmer und Gesellschafter bestehende Insolvenzrecht auch auf Privatpersonen auszuweiten. Immer mehr Verbraucher häuften Verbindlichkeiten an, die sie nicht mehr bedienen konnten und deshalb in die Zahlungsunfähigkeit trieben. Um diese Spirale der Negativfolgen für Privatpersonen zu durchtrennen, sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, sich von jeglicher Restschuld befreien und nochmal "bei null" beginnen zu können.

Die naheliegende Lösung für dieses Problem war die Privat- bzw. Verbraucherinsolvenz, deren Wesen sich stark an der Regel-insolvenz für Unternehmer und Gesellschafter orientiert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Privatinsolvenz auch von ehemals wirtschaftlich selbstständigen Personen in Anspruch genommen werden, um das Verfahren der Restschuldbefreiung auf diesem Wege zu vereinfachen.

Jeder Verbraucher sollte sich den Schritt zur Beantragung einer Privatinsolvenz reiflich überlegen, da damit neben der Restschuld-befreiung natürlich auch einige gravierende Nachteile verbunden sind. Das Ziel des Gesetzgebers ist es nicht, schlechtes Wirtschaften dadurch zu fördern, dass Gläubiger bei Zahlungsunfähigkeit ihrer Schuldner auf ihre Forderungen verzichten müssen. Daher muss der Betroffene bei Eröffnung einer Privatinsolvenz gegen seine Person zumindest mit einem entsprechenden Schufa-Eintrag rechnen, was sich wiederum negativ auf die Kreditfähigkeit bei Banken oder anderen Stellen auswirkt. Das Verfahren der Restschuldbefreiung im Rahmen der Privat-insolvenz zieht sich in der Regel über mindestens sechs Jahre hin, was für die Beteiligten nicht immer leicht zu verkraften ist und ein hohes Maß an Disziplin erfordert.

Privatinsolvenz anmelden, so geht’s!

Schulden gehören heute schon beinahe ganz selbstverständlich dazu. Und so ist in Deutschland rund jeder dritte Haushalt mehr oder weniger verschuldet. Jeder zehnte Haushalt kommt aus seinem persönlichen Schuldensumpf nicht mehr heraus – in vielen Fällen ist dann hier die Privatinsolvenz die einzige und beste Lösung.

Bei der Privatinsolvenz, die auch als Verbraucherinsolvenz bekannt ist, handelt es sich um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren für Privatleute, mit dem ein Schuldner seine Verpflichtungen dauerhaft beseitigen kann. Die anhängenden Gläubiger werden bei diesem Verfahren immerhin anteilig berücksichtigt. 

Gründe für Schulden und Anmeldung der Privatinsolvenz

Warum werden die Schulden so hoch, dass man sie aus eigener Kraft nicht mehr in den Griff bekommen kann? Die Gründe sind vielfältig, oft sind Krankheit oder Arbeitslosigkeit der erste Auslöser. Die Probleme können natürlich auch hausgemacht sein, weil ein viel zu exklusiver Lebensstil immer größere Schulden anhäuft.

Um eine Privatinsolvenz überhaupt anmelden zu können, muss eine eindeutige Überschuldung vorliegen. Das heißt im Klartext, dass der Schuldenberg so groß sein muss, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass der Schuldner diese in den kommenden sechs Jahren aus eigener Kraft abtragen kann. Vor dem Antrag auf die Privatinsolvenz muss ein Austausch mit den Gläubigern vollzogen werden, um Einigungsmöglichkeiten auszuloten. Das kann der Schuldner auf eigene Faust tun oder aber die Unterstützung einer Schuldnerberatung in Anspruch nehmen. Ziel soll ein Zahlungsplan sein, der die Rückzahlung der Schulden beschreibt. Kommt es auf dieser Basis zu keiner Einigung, ist der nächste Schritt dann tatsächlich die Privatinsolvenz. Allerdings muss zuvor das Scheitern der Verhandlungen zwischen Schuldner und Gläubigern durch eine anerkannte Beratungsstelle bescheinigt werden. Das kann ein Anwalt oder wieder eine Schuldnerberatung sein. 

Privatinsolvenz beim Insolvenzgericht anmelden

Um die Privatinsolvenz in Gang zu setzen, führt der nächste Weg zum Insolvenzgericht. Diesen Weg beschreitet der Schuldner nicht allein, hier wird wieder ein Anwalt oder eine Schuldnerberatung benötigt. Gemeinsam muss nun dem Insolvenzgericht glaubhaft vorgetragen werden, dass sämtliche Einigungsversuche mit den Gläubigern gescheitert sind. Im gleichen Zug muss der Schuldner dem Gericht seine gesamten Vermögensverhältnisse offenlegen. Dazu gehören nicht nur alle bestehenden Konten, sondern auch Immobilien, Fahrzeuge oder wertvolle Gegenstände wie Schmuck oder Gemälde. Eingereicht werden müssen außerdem sämtliche von den Gläubigern vorliegenden Forderungen. Abschließend wird ein zuvor erarbeiteter Plan eingereicht, der genau aufschlüsselt, in welcher Weise wie viele Schulden in welcher Zeit getilgt werden können und sollen.

Das Insolvenzgericht übernimmt die Arbeit

Ist die Privatinsolvenz eröffnet, kontaktiert das Insolvenzgericht die Gläubiger und versucht abermals, gütliche Einigungen zu erzielen. Scheitern auch diese Versuche, dann ist das Verfahren endgültig als eröffnet zu betrachten. Die Gläubiger erhalten dann anteilig Gelder aus allen noch vorhandenen Vermögensreserven. Verwaltet werden diese Werte durch einen eigens für die Privatinsolvenz bestellten Treuhänder.

Der Schuldner befindet sich ab dem Zeitpunkt der Eröffnung der Privatinsolvenz in der Wohlverhaltensphase und hat in der Regel sechs Jahre (in einigen Fällen auch weniger) Zeit, die angehäuften Schulden abzutragen. Gelingt es dem Schuldner, sich in dieser Zeit ohne Auffälligkeiten und dem Plan entsprechend zu verhalten, sieht der Gesetzgeber nach Ablauf der Zeit einen Erlass der restlichen Schulden vor. Achtung: Schon zu Beginn des Verfahrens muss ein Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt werden, andernfalls werden die restlichen Schulden am Ende des Verfahrens nicht erlassen!

 

Wer ist der richtige Ansprechpartner für eine Privatinsolvenz?

Wem die Schulden ganz wörtlich über den Kopf gewachsen sind, sollte zunächst professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine gute Anlaufstelle sind öffentliche oder private Schuldnerberatungen. Diese können recht schnell ermitteln, ob die Privatinsolvenz das Mittel der Wahl ist und im Fall des Falles auch sicher durch das Verfahren begleiten. Zwar kann den Einstieg jeder Schuldner selbst in Angriff nehmen, allerdings lassen sich mit dem professionellen Know-How von Schuldnerberatungen viele rechtliche Fallstricke gut und sicher umgehen.